Paris Juni 2015 – Frühling!

Paris Juni 2015 – Frühling!

Es ist Frühling in Paris. Die Luft duftet wie Paris im Frühling. Es ist heiss. Die Sonne brennt auf die antiken Steine der Boulevards, Rue.. s Trottoirs … Die Hitze bringt eine typische Stille mit sich, die auch durch den Lärm der Autos und Motocyclettes nicht gebrochen werden kann. Alles ist verzaubert, Paris und Sonne, ich erblicke unübertreffliche Schönheit wohin mein Auge sieht. Inbegriff der wunderbaren Schaffenskraft der Menschen.

Der Schatten ist kühl, wie ein liebender Hauch umarmt er mich, streichelt meine Schweißtropfen – fühlt sich richtig gut an. Zarte Lüfte bewegen sich in den Schatten und bringen den Geruch von trockenem Staub, glühendem Pflaster und schmelzendem Teer mit sich. Diese Mischung versetz mich sofort in meine Kindheit zurück!

Rue Saint Anastase 

Ich erinnere mich an die Wohnung im ersten Stock am Place de la Republik, dort war es im Sommer immer heiss, alle Fenster standen weit offen. Die Lüfte trugen die Klänge der engen Rue St. Anastase mit sich. Ununterbrochenes Hupen und laute Gespräche. Verhandlungen über Knöpfe und Stoffe wurden auf der Straße geführt, fluchende rauchende Franzosen entluden schwere Stoffballen aus Lieferwagen mit laufendem Motor. Aus der Küche drang der unglaublich paradiesische Duft von Melonen. Die Freundin meine Mutter kochte Couscous. Ah! Mit Kichererbsen. Die waren für mich das Highlight des Gerichtes. Vollgesogen mit dem Aroma der Suppe in der sie stundenlang Seite an Seite mit Lamm, Rindfleisch und Gemüse gekocht hatten. In meine Erinnerung mischt sich nun das Geräusch des Fernsehers aus dem Wohnzimmer. Ich sehe den kleinwüchsigen grauen Gaston vor mir, wie er auf der Couch vor dem Fernseher sitzt. Niemals hatte ich Gaston ohne eine Gauloise im Mundwinkel gesehen. Der graue, bittere, beissende Geruch und Gaston waren eins. Ich weiss, es war wundervoll. Es war so wundervoll, dass ich Abends nicht einschlafen wollte, weil ich die abendliche, nächtliche Mischung von allem so wunderbar fand, ich wollte nicht eine Minute davon verschlafen. 
Paris, Juni 2015 – ELLE

Paris, Juni 2015 – ELLE

Und urplötzlich möchte ich sie sein. ….eine hochgewachsene, kantige, hagere Parisienne, dunkelhaarig, mit ausgeprägten Wangenknochen, vollen Lippen und operierter Nase. Sie lebt auf dem Boulevard St. Michelle im 5. Stock in einer 450 qm Wohnung mit Blick über die Seine und auf Notre Dame. Über ihr, im Dachgeschoss ist das Hausmeisterehepaar, Mme et M. Jablon, untergebracht und ihre 3 Aupairs für ihre 2 Kinder Colette et Alain. Sie haben den Auftrag mit den beiden jeweils ihre Muttersprache zu sprechen. Englisch, Spanisch und Russisch. Jeden Morgen öffnet Sie die Glastüren zum Boulevard um auf dem meterlangen Balkon vor den schwarzen, schmiedeeisernen Geländern Platz zu nehmen.

 

Natürlich rauche ich! Mein duftender Café steht neben mir. Heute werden die neuen Werke des „noch“ unbekannten Künstlers aus New York angeliefert. Bei meiner letzten Reise habe ich ihn entdeckt – Neo! Welche Begabung! Merveilleus! Mais oui! Bien sur ist er einer meiner Liebhaber! Einige Gemälde sind so groß, dass sie nur über eine Feuerwehrleiter durch die Balkontür passen. Am kommenden Weekend ist die Vernissage. Hierzu erwarte ich die ganze Haute Volé de Paris und Nizza. Dort verbringe ich die Sommer, wenn es in Paris zu heiss ist.

Nachdenklich betrachte ich das Ambiente. Die Räume wurden vom bekanntesten Innenarchitekten Frankreichs speziell zu diesem Ereignis umgestaltet. Meine Gedanke schweifen zurück. Er und sein langjähriger Geliebter haben erst kürzlich geheiratet. Das Fest wurde in einem der Seitenflügel des Louvre gefeiert. Diniert haben wir im Jardin des Tulleries in der Rue Rivolie. Der Bereich war mit Eisengittern abgeriegelt. Vor jedem dieser stand ein dunkelhäutiger, muskulöser Bodyguard. Alle in glänzenden, schwarzen Maßanzügen. Einer attraktiver als der andere. Es war schwer das Ende des Essens ab zu warten. DJ Des Monds heizte uns mit House und R&B ein. Der Vollmond stand hell über dem Louvre, der Tour Eiffel war beleuchtet, glitzerte in verschiedenen Farben und Rhythmen. Der Abend war perfekt.

Ich nehme einen tiefen Atemzug, erhebe mich von meinem bequemen Balkonstuhl, schreite über das Parkett zu meinem Schreibtisch. Jeder meiner Schritte macht klack-klack, einzelne der honigfarbenen Holzbalken stöhnen. Ich hole mir das ledergebundene Album.

Genüsslich schlage ich meine wohlgeformten, langen Beine übereinander.

Ich trage Schwarz! Schwarze Strümpfe, hochhackige Schuhe, eine kurzen Rock; und selbstverständlich niemals Hosen. Mein Blick schweift über Paris und ich genieße die Atmosphäre. Ein Bus voller Touristen steckt im Verkehr der sich langsam nach vorne quält. Ein Fahrgast entdeckt mich, schubst seine Freundin an. Sie blickt nach oben und beide zeigen mir ihre Zähne. Ich lache zurück und winke. Nun werde ich fotografiert. Ach, wie wundervoll kann das Leben doch sein! Auch andere sehen nach oben. Von manchen nehme ich Bewunderung wahr, von anderen wiederum Neid.

Und dort entdecke ich auch Annette. Und ich spüre ganz genau, dass sie sich gerade vorstellt, wie es wäre ich zu sein. Sie hat Gänsehaut……. speziell bei dem Gedanken den Aufzug zu betreten, mit dem ich jeden Tag nach unten und oben fahre. Sie kann das Eisen riechen, das im Jugendstil geschmiedet einen Käfig um die Kabine bildet. Sie kann hören, wie das Schiebetor die einzelnen Elemente heftig aneinander schlägt, so dass es kurzzeitig ein metallisches Scheppern gibt, welches das Ohr schmerzt. Sie stellt sich vor die Plattform zu betreten, den kalten Gittergriff zu fassen und mit einem kräftigen Schwung das Tor zu schließen und auf den am meisten abgenutzten Knopf aus Schellack zu drücken. Mit einem kurzen Ruck nach oben rattert die Kabine gemächlich herab. Das Abwärts klingt rhythmisch, musikalisch. Durch die Gitter hindurch kann sie das Treppenhaus sehen, das hölzerne Geländer. Jede einzelne Etage hat ihren eigenen Geruch. Dort wo Françoise mit ihrer jetzigen rothaarigen Freundin Rachèle lebt ist ein Hauch von japanischem Räucherwerk wahrnehmbar. Weiter unten hängt unverkennbar das Rasierwasser von M. Frenkel in der Luft. Sein Schäferhund bellt. Les Berger Allemands sind in Paris ganz besonders chique. Machmal mischt sich auch der Duft seiner jeweiligen Geliebten mit dem seinen. Düfte können verräterisch sein. Annette kann daran erkennen, ob M. Frenkel aus dem Hause gegangen ist, oder zurückkam. Ging er aus, dann überlagert sein frisch aufgetragenes Parfum den Geruch seiner Antiquitäten, der sich im Haus verteilt, wenn er seine Tür öffnet. Kam er zurück, dann mischte sich der Geruch von Knoblauch und Wein dazu.


Kurz bevor der Ascenseur anhält gibt es wieder einen kurzen Ruck, Annette spürt ihn deutlich im Magen. Auf dieses Gefühl hat sie schon gewartet. Sie erwartet es jedes mal. Sie öffnet die Kabine, betritt das Treppenhaus. Die Kühle der Steine umgibt sie. Die Absätze ihrer Schuhe machen einen ohrenbetäubenden Lärm, sonst ist nichts zu hören. Sie geht zum Ausgang, fasst den geschwungenen Messinggriff und zieht die endlos schwere, geschnitzte Holztüre zu sich. Sie muss sich anstrengen. Mit der linken Schulter hält sie die massive Tür auf und schlängelt sich durch die Öffnung. Ganz kurz bleibt sie stehen. Das Holz fällt mit einem dumpfen Schlag hinter ihr ins Schloss. Sie fühlt den Hall im Rückrad. Dann wird sie sich der Hitze der Straße bewusst. Die Gerüche und der Lärm des Boulevards St. Michelle fangen sie ein, Paris umarmt sie. Gänsehaut……

 

 

Schattenarbeit?

Schattenarbeit?

Eines Morgens erwachte die Katze und starrte auf ihren Schatten! „Ah, heute werde ich einen Elefanten jagen und verspeisen!“ Also machte sie sich auf die Suche und die Jagd auf einen Elefanten.

Am Mittag sah sie erneut auf ihren Schatten. Nachdem sie einen Moment sinnierte, sagte sie sich: „Eine Maus tuts auch!“

 

Frei nach Khalil Gibran

Paris Juni 2015 – Frühling!

Paris, Juni 2015 „ILAPADELÄÄ“

ILAPADELÄÄ

Ben und ich sitzen uns in der Metro gegenüber. Wir wollen zu Rosa Bonheur. Viele Menschen stehen eng gedrängt beieinander und schaukeln harmonisch im Rhythmus der Fahrt. Einige reden angeregt miteinander und versuchen den Lärm zu übertönen, andere schweigen. Manche schauen interessiert oder müde, fertig und verschlafen. Die Metro geht mit uns um die Kurven, Eisen auf Eisen kreischt. Obwohl ich die Funken nicht sehen kann, so sehe ich sie trotzdem in meinen Gedanken. Ein Fenster steht auf. Das Fahrgeräusch wird von der Tunnelwand zurückgeworfen und drängt in den Wagon. Es ist laut. Von irgendwo ist ein Geräusch zu hören, klingt wie ein schräger Housemusic sound. Oder nicht? Es erinnert doch eher an eine junge Krähe..

Ich blende das fremdartige Geräusch aus, betrachte Ben. Er scheint ein ewiges Lächeln im Gesicht zu haben. Ben ist Zirkus-Artist, Musiker, Sänger, Tänzer. Für mich ist er der geborene Clown, der auch im Schlaf ganz sicher noch das Clownslächeln weiterlebt, da bin ich mir ganz sicher. Ich erinnere mich an Dukes in Waikiki, wo wir das erste Mal die Tanzfläche leergefegt haben… nun bermerke ich das er irritiert schaut. Was hat er? Oh, nun fällt es mir auf, es ist dieses Geräusch, es wird mir wieder bewusst. Doch nun ist es viel lauter und näher gekommen.

Und dann sehe ich sie! In lange, schmutzige Kleider gepackt, den Kopf halb mit einem dunklen braunen Tuch bedeckt, bahnt sich die kräftige, junge Roma ihren Weg im Schneckentempo stoisch durch die Menge. Mit einer nervenden Regelmäßigkeit, die an das ätzende Tropfen eines Wasserhahnes in der Nacht erinnert, tönt sie krächzend: ILAPADELÄÄÄ —- ILAPADELÄÄÄ – ILAPADELÄÄÄ ! Ilapadelä kommt immer näher zu uns. In ihrer rechten schmutzigen Hand hält sie einen zerflederten Pappbecher, den sie den Leuten aufdringlich entgegenstreckt. Auf dem linken Arm trägt sie einen unverkennbar männlichen, pausbackigen, kräftigen Säugling, der genau so stoisch schaut, wie sie. Der Blick beider gleicht sich auf erschreckende Weise. Er ist leer! Ausdruckslos….. In regelmäßigen Abständen bleibt sie stehen, nimmt ihre rechte Hand, in der sich der Becher befindet und streichelt, vermeintlich zärtlich, mit den freien Fingern über das Gesicht des Jungen, sieht ihn mit ihrem leeren Blick an, richtet dann ihren leeren Blick in Richtung Fahrgäste und tönt: ILAPADELÄ — ILAPADELÄ! Ach so, nun verstehe ich auch was sie sagt: Il n´a pas de lait! Er hat keine Milch….

Auf dem Weg durch den Park zu Rosa Bonheur geht mir Ilapadeläää nicht mehr aus dem Kopf. Wie ein Ohrwurm hat es sich eingefressen. Was soll ich nur tun um das wieder los zu werden. Ich bitte Ben darum einen Song daraus zu machen. Ich versuche es acapella dem Rythmus meiner Schritte an zu passen. Nichts hilft. Es wird zu einem Fuchsbandwurm… Im Park legen wir uns in die Sonne. Ben liegt im Schatten. Seit sein Bruder an Hautkrebs gestorben ist hält er sich nur noch im Schatten auf. Nie in der Sonne, auch nicht auf Hawaii. Ich bin eingeschlafen. Noch im Aufwachen klingt es wieder in meinem Kopf, Ilapdeläääää, wobei das ääääää immer länger und lauter wird. Ich beschließe es auf zuschreiben und sofort bekommt es eine andere Qualität. If live gives you lemon, make Lemonade…

Paris Juni 2015 – ich und mein Croissant

Paris Juni 2015 – ich und mein Croissant

Croissant au Beurre, wie viele Möglichkeiten gibt es dich zu geniessen? Wann und wie schmeckst du mir am besten?
Wo – en France – bien sur – noch besser a PARIS!
Beginne ich an der Seite, mit einer der zwei Enden….?

Ich beherrsche mich mit dem Zubeissen! Geniesse das sinnliche Erleben des Herausziehens der zweiten Ecke… dis donc – wie sieht das denn aus! Oh Gott, wie fühlt sich das an… irgendwann gibt der Widerstand des Teiges nach, doch ich lasse mir Zeit damit und ziehe ganz ganz langsam, so sanft und dennoch so unnachgiebig wie möglich. Sind diese Croissant Krümel nicht unglaublich dekorativ?

Ich befinde mich ganz und gar im Hier und Jetzt!
Es gibt nur mich und die dunkelbraune Unterseite des Croissants.
Isch beisse quer inein, so dass isch eine krosse Widerrstande inter der oberen Zahnreihe schpüre und gleischzeitige auf die Zunge. Mon Dieu!
Ich koste dieses Gefühle noch 2 Sekunden lang aus bevor ich das Stück zermalme, es sich mit dem reichlich fließenden Speichel vermischt und immer besser wird. Endlich darf es dann im Magen ankommen und mich von innen heraus mit einem Seufzer erfüllen.
Natürlich müssen’s zwei Croissant sein! Den zweiten zerpflücke ich, ich reisse den oberen Zipfel gnadenlos herunter. Die Fingerspitzen tauchen ein, durchdringen die knusprige Schicht, hinein in den weichen, zarten Teig; sind nun fettig und salzig, beim Abschlecken wie ein Dessert!

Mademoiselle Lombard und Mademoiselle LeBoeuf

Mademoiselle Lombard und Mademoiselle LeBoeuf

Irgendwann haben mich meine Eltern in ein Internat gesteckt. In Frankreich, 60 Kilometer südlich von Paris. In Fontainebleau. Fontainebleau ist eine wunderschöne kleine Stadt, mit einem herrlichen Schloss, eindrucksvollen Parkanlagen und der Wald ist weltberühmt. Weisse Birken in weissem Sand. Ein Traum! Doch nicht, wenn man sich hinter Internatsmauern befindet. Insbesondere nicht, wenn dieses Internat von ältlichen Fräuleins geleitet wird.

Ich erinnere mich sehr genau an Mademoiselle Lombard – ein große, stämmige Brunette und natürlich so kantig wie sich das für eine Französin gehört, die fast schon etwas von einem Transvestiten an sich hatte. Mächtig schritt sie über den Flur und knallte ihre Pömps mit jedem Auftreten auf den armen Boden, als wolle sie allen hörbar zeigen, dass sie aus einem härten Holz geschnitzt sei als das Parkett. Eine richtig furchteinflößende Person vor der ich höllischen Respekt hatte. Ihre beste Freundin allerdings war eher zart und klein. Sie trug ihr mausblondes, schütteres Haar immer auftoupiert und perfekt gekämmt. Allerdings konnte sie dadurch nicht verbergen, dass sie an Haarausfall litt. Die Kopfhaut glänzte bei jeder Bewegung durch den Filz trotzdem hindurch. Ich konnte sie nicht leiden und fühlte mich angewidert. Auf mich wirkte sie wie eine alte, leicht aufgedunsene schmutzige Puppe aus einem Horrorfilm, mit passendem Namen – LeBoeuf – der Ochse! Ganz besonders abstoßend fand ich ihr Eau de Cologne – stark alkoholische Bergamotte – es verfolgt mich noch heute. Wenn sie durch die Gänge lief hing der Duft noch ewig in der Luft. Die zwei waren ein Gespann wie gemacht für einen Film.

Auch unter Null kein Pardon

Es herrschten rauhe Sitten in diesem Mädchen Internat. Wir mussten alle Röcke oder Kleider tragen, darüber die Schuluniform. Das war ein blauer Kittel. Dazu nette Schühchen. Und das auch im dicksten Winter. In den Schulpausen wurden wir auf den Hof gejagt in die gesunde frische Luft. Selbst 2 Wollstrumpfhosen und dicke Schlüpfer haben die Blasenerkältungen nicht vermeiden können. Nun, ich hatte dennoch Glück, denn im 2. Winter durften wir Hosen tragen.

Diese mussten allerdings eine exakte, adrette Bügelfalte haben. Morgens, am Eingang in den Speisesaal wurde kontrolliert. Da standen dann Mademoiselle Lombard auf der linken Seite und Mademoiselle LeBoeuf auf der rechten Seite und prüften strengstens die Bügelfalten in den Hosen. Wehe diese Falten waren nicht 100% korrekt. Dann hies es zurück in den Schlafsaal und die Hosen richtig bügeln und auf das Frühstück verzichten.

Irgendwie fiel das in meine Zeit der Pubertät! Und ich war wütend! Ich wollte mir das nicht gefallen lassen und ich entschloss mich dazu mich dieser Schikane zu widersetzen. Nur wie? Davon hatte ich keine Ahnung. Aber ich wusste genau, ich werde hier etwas ändern. Das war klar. Nur wie?

Nachdem ich dann kurz auf „Heimaturlaub“ gefahren bin fiel mit die Lösung ein. Ich packte schnell restlos ALLE meine Kleider ein und nahm sie mit. Zuhause besorgte ich mir 3 Paar hauteng genähte Cordhosen, die so eng waren, dass ich sie gerade so mit ach und krach noch anziehen konnte. Dazu ein Paar warme Stiefel ein und einige Pullover. Mehr nicht! Innerlich bereitete ich mich auf das Donnerwetter vor, das mich am ersten Morgen an der Tür zum Frühstücksraum bei der Kontrolle erwarten würde. Sollte ich das wirklich tun? Ich war fast dabei meinen Koffer wieder umzupacken, doch mein Entschluss stand fest. Ich würde siegen, koste es was es wolle. Auf der ganzen Reise nach Frankreich klopfte mein Herz bis zum Hals und am liebsten wäre ich ausgebüxt. In der Nacht zuvor konnte ich nicht schlafen und ich dachte mich in Wut und Rage um hierdurch meinen Mut zu füttern. Wie ein Kämpfer für Gerechtigkeit stand ich am Morgen in der Schlange vor der Tür. Mademoiselle Lombard thronte wie gewohnt links und überprüfte die Bügelfalten der Mädchen sehr genau, Mademoiselle LeBoeuf stand auf der rechten Seite und vergewisserte sich, dass die Bügelfalten der Hosen in ihrer ganzen Länge korrekt waren und lies sich den oberen Teil zeigen, der unter dem Internatskittel verborgen war. An diesem ersten Morgen waren sie besonders streng, wahrscheinlich damit wir von Anfang an wissen wie der Hase läuft. Oh jeh, wie komme ich aus der Nummer raus? Einige Mädels sahen mich erschrocken an und gingen auf Abstand, andere kicherten. Die Luft wurde immer dicker und schließlich war ich an der Reihe. Da stand ich nun – trotzig und rotzig und so richtig auf Krawall gebürstet… ich sah wie Mademoiselle LeBoeuf noch blasser wurde als sie eh schon war und wie sie entsetzt und hilfesuchend Mademoiselle Lombard ansah…. was sollte sie tun? Beide starrten mich an und holten Luft, da rief ich kämpferisch – „Ich habe nichts anders mitgebracht!“ Mademoiselle Lombard, das Alphamädchen hielt kurz inne, dann winkte sie mich durch. Mit einem hörbaren Schnaufen blickte sie mir hinterher…. merkwürdig – sollte ich da so einen Anflug von Anerkennung in ihrem Blick erhascht haben? Nein, das konnte unmöglich sein. Später allerdings verriet mir meine private Französischlehrerin, die mich sehr mochte, dass sie zu ihr gesagt habe, dass ich es im Leben wohl mal sehr weit bringen würde.